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Sehr geehrte Damen und Herren


Diese Newsletter ist eine Information der Güteschutzgemeinschaft Wärmedämmverbundsystem-Fachbetrieb,einer freiwilligen Qualitätsinitiative ausführender Fachbetriebe von Wärmedämmverbundsystemen in Österreich, zur Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen und dauerhaften Fassadenausführung für alle Bauauftraggeber und ausschreibenden Stellen.

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Inhalt der heutigen Newsletter ist die

 
Nachlese
zum
Fachvortrag

Planung von WDVS
– unbedingt erforderlich aber oft zu wenig beachtet“

Vortragender: SR DI Georg Pommer

am 30. Juni 2021
im Seminarzentrum der MA 39
in 1110 Wien, Rinnböckstraße 15/2.


Die Veranstaltung richtete sich an ausschreibende Stellen, Generalplaner und Mitgliedsbetriebe der Güteschutzgemeinschaft WDVS-Fachbetrieb.

Der Vortragende SR DI Georg Pommer (Leiter der MA 39 - Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien) spannte in seinem Vortrag einen weiten Bogen über alle planungsrelevanten Themen im Zusammenhang mit WDVS-Fassaden, hinterlegt mit Ergebnissen aus diversen durchgeführten Baustellenüberprüfungen und Versuchen aus den letzten Jahren.
Aus hochaktuellem Anlass war auch ein eigenes Kapitel dem Thema
„Fassadenbegrünung“ gewidmet.

Begrüßt wurden die zahlreichen Teilnehmer der Veranstaltung durch den Obmann der Güteschutzgemeinschaft WDVS-Fachbetrieb Bmstr. Ing. Andreas Traunfellner.

Die coronabedingt maximal zulässige Teilnehmerzahl von 49 Teilnehmern wurde aufgrund des großen Interesses an der Fachvortragsveranstaltung voll ausgeschöpft.
Auch von der anschließenden Fragemöglichkeit wurde reger Gebrauch gemacht.

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Fachvortrag:

„Planung von WDVS – unbedingt erforderlich aber oft zu wenig beachtet“

Einleitend strich SR DI Pommer die Bedeutung von WDVS (Wärmedämmverbundsystemen) im Wohnbau hervor. So sind derzeit bereits mehr als 60% aller Wohngebäude mit einem WDVS ausgerüstet. Dringend zu forcierende Klimaschutzmaßnahmen erfordern zusätzlich einen weiteren Ausbau.
Aufgrund des bereits jahrzehntelangen bewährten Einsatzes von Wärmedämmverbundsystemen stehen nun die ältesten WDVS-Fassaden wieder zur Instandsetzung bzw. Überarbeitung an.

Grundsätzlich kann den WDVS-Fassaden im Bereich der Dauerhaftigkeit ein gutes Zeugnis ausgestellt werden, wenn sie den damaligen Verarbeitungsrichtlinien und den Zulassungsanforderungen entsprechend korrekt geplant und hergestellt wurden.
Und genau da sind wir am entscheidenden Punkt!

Bei der Betrachtung der Schadensverteilung im Hochbau nach Baugruppen liegen die Außenwände mit über 25% deutlich in Führung vor Decken und Fußböden bzw. Keller und Drainagen. Dies aufgrund der witterungsmäßigen Exponiertheit, aber auch der Komplexität der Herstellung bzw. Ausführung von WDVS-Fassaden.
Die häufigste Ursache für Schäden sind Ausführungsfehler (38,5%), gleich gefolgt von Planungsfehlern (28%), wobei die Planungsfehler doppelt so teuer in der Behebung sind wie Ausführungsfehler!
Dies unterstreicht die Wichtigkeit nicht nur einer qualitativ hochwertigen Herstellung bzw. Ausführung von WDVS-Fassaden (entsprechend den ak

tuellen Verarbeitungsrichtlinien) sondern auch die Unerlässlichkeit einer entsprechenden Planung derselben.

Wo liegen die Hauptursachen für mangelhafte Ausführungen von WDVS-Fassaden:

  • Planung / Bauablauf / Bauzeiten
  • Klärung aller notwendigen Anschlussdetails vor Arbeitsbeginn
  • Baustellenbetrieb
  • Fehlendes Verständnis der Produkte
  • Verarbeitung neuer noch nicht bekannter Produkte
  • Umsetzung der CE-Kennzeichnung (Verwendung zugelassener und geeigneter Systeme bzw. Produkte)

Planungsgrundsätze und –grundlagen finden sich in den folgenden Regelwerken und Normen:

  • OIB- Richtlinien 1,2,5 und 6
  • Baustoffliste ÖE > CE (Leistungserklärung)
  • ETAG 004 > EAD > Baustoffliste ÖE
  • ÖNORM B 6400 -1,-2,-3
  • Werkvertrag
  • Herstellererklärung(en)

So sind von der Planungsseite her in den OIB-Richtlinien, neben der Tragfähigkeit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit, unterschiedliche Anforderungen nach Gebäudeklassen zu berücksichtigen. Insbesondere auch hinsichtlich des Brandschutzes. Ebenso ist das Luftschalldämmmaß zu berücksichtigen.

Die in Österreich einzubauenden Bauprodukte müssen die Leistungsklassen der Baustoffliste ÖE des OIB erfüllen.
Die ÖNORMen B 6400 -1,-2,-3, als Umsetzung der Anforderungen der Baustoffliste ÖE, beinhalten die Detailangaben zur Planung und Ausführung der unterschiedlichen WDVS-Systemaufbauten. Teil 1 umfasst die Planung, Verarbeitung sowie An- und Abschlussdetails inkl. Materialien für die Anschlüsse. Teil 2 umfasst Produkte, Prüfungen und Anforderungen. Teil 3 beschreibt die Mindestanforderungen für die Verwendung.
Weiters zu berücksichtigen sind mit Vereinbarung der Vertragsnorm ÖNORM B 2110:2013 alle ÖNORMEN relevanten technischen Inhalts sowie ÖNORMEN mit vornormierten Vertragsinhalten wie die Werkvertragsnormen der Serien B 22xx und H 22xx. Ebenso die ÖNORMEN A 2063 (Austausch von Daten in elektronischer Form für die Phasen Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung (AVA)) und B 2111 (Umrechnung veränderlicher Preise von Bauleistungen).

Ebenso muss für jedes WDVS (als System) eine Herstellererklärung (DoP, ehem. CE-Kennzeichnung) vorliegen. Ein Mischen von Systemkomponenten ist daher nicht zulässig! Probleme treten meist auf bei Deklarationen ausländischer Provenienz.

Spezial- oder doch Normalfall?

  • Thermische Sanierung
  • Instandsetzung von WDVS
  • Verbesserung von WDVS
  • Keramische Bekleidungen
  • Begrünung der Fassade

Die Klärung dieser Frage entscheidet darüber ob Einzelfallprüfungen und -nachweise zu erbringen sind. Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) die zu 100% durch die oben erwähnten einschlägigen Normen abgebildet bzw. dargestellt werden können bilden den Normalfall. Alle darüber hinausgehenden nicht häufig angewendeten Sonderfälle sind in der Regel als Spezialfälle einzustufen. Dies gilt umso mehr, je neuartiger geforderte Spezialanforderungen sind.
Ein besonderes Beispiel für einen Spezialfall stellt die zuletzt immer häufiger werdende Forderung nach Fassadenbegrünung dar.
Aus diesem aktuellen Anlass wurden bei der MA 39 Brandversuche mit verschiedenen Begrünungsformen durchgeführt, um das Brandrisiko von Fassadenbegrünungen einschätzen zu können.

Ergebnis dieser Brandversuche war, dass je nach Pflanzenart ein unterschiedliches Brandverhalten zu beobachten ist. Rankender, frischer Efeu zündet aufgrund ätherischer Öle rasch durch. Wein oder andere Pflanzenarten zeigen ein weniger gefährliches Brandverhalten. Ein Abstand von der Fassade durch vorgesetzte Rankkonstruktionen ist besser. Für die Schallabsorption ist eine Fassadenbegrünung wiederum günstig.
Fassadentechnisch ist eine Begrünung aber in jedem Fall schwierig
(Befestigung, Gewicht, Durchdringungen, etc.). Außerdem müssen Fassadenbegrünungen laufend gepflegt und gewartet werden. Diese Wartung ist daher auch ins Bauwerksbuch aufzunehmen.
Auf Basis der Brandversuche wurde ein Leitfaden für Fassadenbegrünung der MA 22 entwickelt (https://www.wien.gv.at/umweltschutz/raum/fassadenbegruenung.html). Kernaussage ist, dass bis zur Gebäudeklasse 3 (GK 3, 3 Geschoße) keine speziellen Schutzmaßnahmen zu treffen sind. Bei Gebäudeklasse 4 + 5 sind spezielle Maßnahmen gegen Brandweiterleitung (z.B. Geschoßweise Abschottung durch Stahlblech) und gegen Herabfallen von größeren Pflanzenteilen (z.B. bei Wind) zu setzen. Es gilt grundsätzlich die ÖNORM B 3800-5 (Brandverhalten von Fassaden - Anforderungen, Prüfungen und Beurteilungen). Als Schutzabstand zu Öffnungen bzw. zur Dachkonstruktion sind immer 1 Meter vertikal und horizontal 0,2 Meter einzuhalten.

In jedem Fall ist es ratsam die Fachplaner und Hersteller der Fassadenbegrünungssysteme einzubinden.
Auch ein Leitfaden der Baupolizei MA 37 wird demnächst herauskommen.

Eigene Brandversuche auf WDVS wurden noch nicht durchgeführt, sind aber in naher Zukunft geplant.

Untergrundvoraussetzungen für die Ausführung eines WDVS:
Unverputzte Wände aus Beton, Porenbeton, Wandbausteinen oder Mantelbeton mit mineralisch gebundenen Holzwolle-Produkten gemäß ÖNORM B 6021 oder ÖNORM B 3208 sind ohne besonderen Nachweis verwendbar. Bei anderen Untergründen muss die Eignung des WDVS für jeden Anwendungsfall nachgewiesen werden. Der Untergrund ist in jedem Fall auf Tragfähigkeit, Ebenheit und Feuchtigkeit zu prüfen.

Betreffend des „Bauzeitfensters“ ist jedenfalls auf Jahreszeit und „Verarbeitungsklima“ (Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Verarbeitungstemperatur) zu achten.
Das Bauzeitfenster ist je nach verwendetem Dämmstoff unterschiedlich. Im Fall von NAWAROS (nachwachsenden Rohstoff-Materialien) ist das Bauzeitfenster kürzer und noch genauer zu beachten.

Besonders zu beachten sind auch alle Anschluss- und Abschlussdetails sowie Durchdringungen. Idealerweise werden diese in einer bauvorbereitenden Besprechung, ebenso wie wechselnde Untergründe, im Vorfeld besprochen und entsprechend geplant.

Letztendlich sollten auch die Abnahmekriterien für die WDVS-Fassaden im Vorfeld festgelegt werden (z.B. hinsichtlich Reibstrukturen (Schichtdicken), Gerüststößen, Farbfehlern, Unebenheiten, Plattenstößen, Kanten, etc.).

Entscheidend ist die Qualitätssicherung auf der Baustelle!
Häufige Fehlerquellen in diesem Bereich sind:

  • Keine Vorgabe in der Ausschreibung
  • Selten Durchführung nach Bauzeitenplan
  • „Subunternehmer“ ohne Qualifikation

Wichtig sind daher:

  • Externe Baustellenüberwachung mit definiertem Überwachungsplan nach Baufortschritt
  • Ergänzung durch Laborprüfungen
  • Die Qualitätssicherungssystematik, das geschulte und zertifizierte Fachpersonal sowie die unterstützenden Tools und Serviceleistungen der Güteschutzgemeinschaft WDVS-Fachbetrieb

Zum Abschluss des Vortrags stand SR DI Pommer noch für die Beantwortung einer Reihe von Fragen zu diesem umfangreichen Thema zur Verfügung.

Zu den Vortragscharts siehe folgender Link: Vortrag „Planung von WDVS“ inkl. Thema Fassadenbegrünung

 

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Sämtliche Angaben ohne Gewähr.



Güteschutzgemeinschaft Wärmedämmverbundsystem-Fachbetrieb
(kurz Güteschutzgemeinschaft WDVS-Fachbetrieb)

Sitz des Vereines bei der Innung Bau Wien:
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E-Mail: office@wdvsfachbetrieb.at - Internet: www.wdvsfachbetrieb.at
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